In zweijährigem Turnus veranstaltet der Medizingerätehersteller Siemens/Varian einen sogenannten „Innovation Circle“. Das ist eine zweitägige Fachtagung rund um die Hochpräzisionsbestrahlung von Tumorpatienten.
Vergangene Woche war das Klinikum Weiden Versammlungsort für rund 70 Ärzte, Physiker und Ingenieure aus ganz Deutschland. Das ist insofern bemerkenswert, als die bisherigen Innovationszirkel an Kliniken wie der Charité in Berlin oder am Universitätsklinikum Freiburg stattgefunden haben.
Dass Weiden als erster nicht-universitärer Schwerpunktversorger für diese Veranstaltung ausgewählt wurde, erklärt Priv. Doz. Dr. Bernd Gagel, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie am Klinikum Weiden: „Das Klinikum Weiden wurde als erste Klinik in Bayern zum Schulungs- und Referenzzentrum der Firma Varian/Siemens Healthineers ernannt. Dies ist eine hervorragende Symbiose von technischer Weiterentwicklung der Geräte in Kemnath und klinischer Umsetzung dieser Fortschritte vor der eigenen Haustür am Klinikum Weiden, ein Projekt mit vielversprechender Zukunft für die Region.“
Aktuell gibt es in Bayern nur zwei weitere universitäre Strahlentherapien in Würzburg und in Erlangen, die diese Technik anbieten können. Dabei hat das Klinikum Weiden in Bayern die größte Erfahrung mit dieser Technik. „Auch deutschlandweit ist Weiden mit führend und im intensiven Austausch mit Forschung und Entwicklung“, sagt Dr. Gagel.
Diese Kompetenz zieht mittlerweile auch Patientinnen und Patienten an, die nicht in der Region leben. Die Expertinnen und Experten des „Innovation Circle“ tauschten sich nicht nur aus, sondern waren auch neugierig auf die in Weiden gesammelten Erfahrungen mit der Adaptiven Radiotherapie, die aktuell als eines der bedeutendsten Zukunftsfelder der Strahlentherapie gilt.
Mit dem in Kemnath von Siemens Healthineers produzierten Bestrahlungsgerät „Varian Ethos“ ist die derzeit schonendste und genaueste Form der Strahlentherapie, die sogenannte Adaptive Radiotherapie möglich. Der Ablauf der Behandlung wird für den Patienten erheblich verbessert, da die Dosisverteilung im Körper täglich neu und individuell für jeden Patienten berechnet wird. Um den Prozess zu beschleunigen, unterstützt dabei eine KI den behandelnden Arzt. So wird nicht nur der Tumor exakter behandelt, sondern auch die Strahlendosis im umliegenden Gewebe verringert. Nebenwirkungen werden reduziert und Heilungschancen können sich verbessern.
Diese Form der Bestrahlung ist besonders vorteilhaft bei Tumoren, die während der Behandlung ihre Position und Form verändern können, z. B, durch die Füllung des Magens, des Enddarms oder der Blase. Betroffen sind hier besonders Tumore im Brustkorb, Bauch- oder Beckenbereich. Schwerpunkt der Strahlentherapie Weiden stellt die Behandlung des Prostatakarzinoms dar.
Das Ethos-System, das in Weiden zum Einsatz kommt, ist Bestrahlungsgerät, Bestrahlungsplanungssystem und Computertomograph (CT) zugleich. Vor jeder Behandlung errechnet Künstliche Intelligenz (KI) mit Hilfe eines CTs eine Anpassung (Adaptation) der Bestrahlung, um Veränderungen im Körper (z. B. Änderungen der Tumorgröße, Organbewegungen) zu berücksichtigen. So ist eine hochpräzise Tumorbehandlung möglich. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Strahlentherapie in Weiden mit 20 bis 25 adaptiven Bestrahlungen pro Tag dabei zu einem der führenden Zentren in Deutschland entwickelt.
Die Vorteile:
- Präzise Bestrahlung: Die tägliche Anpassung des Bestrahlungsplans ermöglicht eine genauere Bestrahlung des Tumors.
- Schonende Behandlung: Durch den ständigen Abgleich kann gesundes, umliegendes Gewebe optimal geschont werden.
- Individuelle Anpassung: Die Therapie kann zum ersten Mal auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten und die jeweiligen Veränderungen während der Behandlung abgestimmt werden.